Der Dialog ist eine Form des Sich-gegenseitig-Mitteilens. Das in der Schwebe halten der individuellen Meinung führt zu einem gemeinsamen Bewusstsein, das dem späteren Handeln des Einzelnen oder Teilen der Gemeinschaft Orientierung und Legitimation zugleich gibt – David Bohm spricht in diesem Zusammenhang auch von Sinn. Das individuelle Bewusstsein geht im und durch den Dialog auf in einem kollektiven Bewusstsein: Der Dialog schafft also die Möglichkeit, dass sich dieses kollektive Bewusstsein "mitteilt".
Im Dialog werden weniger Argumente ausgetauscht, als (gemeinsame) Horizonte eröffnet. Darin unterscheiden sich Dialoge von Debatten.
Die folgenden Kernfähigkeiten bzw. Haltungen werden durch die Form des Dialogs gefördert:
"Von Zeit zu Zeit setzte sich dieser Stamm also im Kreis zusammen. Sie redeten nur, redeten und redeten, scheinbar ohne Ergebnis. Sie trafen keine Entscheidungen. Es gab keinen Anführer. Und jeder konnte etwas zu dem Gespräch beitragen. Möglicherweise wurden den Worten der weisen Männer und weisen Frauen – der Älteren – mehr Aufmerksamkeit geschenkt, aber zu Wort melden konnten sich alle. Das Treffen ging weiter, bis es scheinbar grundlos abbrach und die Gruppe sich auflöste. Aber danach schienen alle zu wissen, was zu tun war, weil alle zu einem grösseren Ganzen gehörten und weil sie einander so gut verstanden. Dann konnten sie in kleinen Gruppen zusammenkommen und etwas tun oder Entscheidungen treffen." (David Bohm, Der Dialog, Stuttgart 1998, S. 49f)

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