Systemaufstellungen als Schlüssel zum impliziten Wissen

Manche Führungskraft würde gerne zusammen mit ihrem Team die Chancen und Risiken von intendierten Vorhaben genauer abschätzen können, und zweifellos wäre ihr zusätzlich zu den konventionellen Managementsystemen ein Instrument willkommen, das innerhalb komplexer Kontexte auch unauffällige und schwache Signale wahrnimmt und aufschlüsselt.

 

Doch welche Instrumente sind sensibel genug, um verborgenes - sogenanntes implizites - Wissen aufzuspüren? Und welche davon sind gleichzeitig intelligent genug, die gewonnenen Informationen so zu interpretieren, dass daraus gesicherte Informationen entstehen und sie einen Orientierungsrahmen für das zukünftige Handeln abgeben?

 

Mit den Systemaufstellungen (bzw. den Organisationsaufstellungen) wird dem Management ein Verfahren an die Hand gegeben, mit dem man in unübersichtlichen (Entscheidungs-)Situationen die Risiken besser abzuschätzen und für die Beteiligten klare Orientierung schaffen kann.


Orientierung am impliziten Wissen

Mit ihrer radikalen Orientierung am impliziten Wissen (d.h. am Erfahrungswissen) sind Systemaufstellungen deshalb eine ideale Ergänzung zu den konventionellen, am offenkundigen (expliziten) Wissen orientierten Diagnosesystemen. Im Gegensatz zu konventionellen betriebswirtschaftlichen und sozialpsychologischen Analyseverfahren fällt bei der Aufstellungsarbeit eine aufwendige Datenerfassung und -auswertung weg. Die Systemaufstellung setzt bei der Beschreibung von Sachverhalten ein und ermöglicht, gleichsam durch die Oberflächen- strukturen eines Problems hindurch, auf die zugrunde liegenden Dynamiken zu fokussieren.

 

Noch ist in der organisationsinternen Anwendung das Potential dieser ungewöhn-

lichen Methode nur zu einem kleinen Teil

erschlossen. Für den Zugang zu implizitem

Wissen andere Kanäle als jene einzusetzen, die explizites Wissen vermitteln, ist nichts anderes als konsequent. Jenen, die sich auf einen solchen Perspektivenwechsel einlassen, eröffnen sich dadurch überraschende Einblicke in bisher verborgene Unternehmensdynamiken. Sich auf eine bestimmte Fragestellung mit Haut und Haar einzulassen, ist bisher in professionellen Kontexten allerdings nur im übertragenen Sinne ernst genommen worden. Das Einstehen für einen bestimmten Aspekt des Unternehmen unter Einsatz des ganzen Körpers: Die Systemaufstellungen nehmen diese Aussage wörtlich. Das ist für manchen Manager (Managerinnen sind in dieser Beziehung mutiger) eher ein Wagnis. Das Vorgehen lohnt sich vor allem dann, wenn unter erhöhten Risiken - also in Situationen, in denen auf nur wenig gesicherte Information zurückgegriffen werden kann - in kurzer Zeit Entscheidungen zu treffen sind. Und das entspricht in einer Zeit des permanenten Wandels eher der Regel als der Ausnahme.